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Krankenversicherung

Laut aktuellen Prognosen verdoppeln sich die Gesundheitsausgaben in Österreich – derzeit rund 35 Milliarden Euro – in den kommenden zehn Jahren. Heute wird das Gros der Ausgaben noch mit einem Anteil von 77 Prozent durch öffentliche Mittel finanziert. Interessant ist dabei, dass Prognosen für das Jahr 2020 ein massives Wachstum des Anteils privater Ausgaben von 23 auf etwa 40 Prozent voraussagen. Der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) betont in seinem aktuellen Jahresbericht den anhaltenden Trend zu mehr Privatvorsorge. Besonders stark wachse derzeit – und wohl auch in Zukunft – die Nachfrage nach zusätzlicher privater Krankenversicherung.

Die Zahlen der Geschäftsergebnisse der Versicherungswirtschaft für 2009 spiegeln diese Prognosen eindeutig wieder: So stiegen die Prämieneinnahmen der privaten Krankenversicherung erneut: von 1,523 Millionen Euro (2008) auf 1,591 Millionen Euro (+3,6 Prozent). Der Anteil der Sparte Kranken an den Gesamtprämien der Versicherungsbranche liegt bei 9,7 Prozent. Den Markt teilen sich acht Versicherungsunternehmen, wobei die UNIQA Personenversicherung AG mit einem Anteil von fast 50 Prozent deutlich dominiert. Die Leistungen der privaten Krankenversicherung stiegen im gleichen Zeitraum um 0,9 Prozent auf 1,053 Millionen Euro. Davon entfallen rund 70 Prozent auf den so genannten Krankenhauskostenersatz – diese Zusatzversicherung haben zwölf Prozent der Österreicher abgeschlossen.

Rund 12 Prozent der Österreicher haben derzeit eine private Krankenversicherung abgeschlossen – wobei ein Großteil der Neuabschlüsse auf die Altergruppe der 30- bis 40-Jährigen fällt. Laut Erhebungen von Versicherungsunternehmen wollen 17 Prozent der Befragten künftig mehr Geld in eine zusätzliche private Gesundheitsvorsorge investieren. Dieser Trend lässt sich auch mit der Sorge der Österreicher um die Gesundheitsversorgung erklären. So gehen mehr als die Hälfte der Befragten davon aus, dass sie in Zukunft aus Kostengründen nicht mehr die bestmögliche Behandlung in Anspruch nehmen können. Seit langem – auch nach der 2008 geplanten aber gescheiterten Gesundheitsreform – wird von der Regierungskoalition die Sanierung der hoch verschuldeten Krankenkassen diskutiert. Erst Ende vergangenen Jahres verabschiedete das Gesundheitsministerium ein Hilfspaket in Höhe von 600 Millionen Euro, das den Kassen etappenweise bis 2012 zur Verfügung gestellt wird.

Experten gehen dennoch davon aus, dass sich vor diesem Hintergrund für die Versicherungswirtschaft ein vielversprechender Zukunftsmarkt rund um die Gesundheitsvorsorge entwickeln wird. Hinter verschlossenen Türen wird sporadisch in Versicherungskreisen eine Wahlfreiheit zwischen Versicherungsträgern diskutiert, allerdings unter Verpflichtung der Bürger, sich im gesetzlich definierten und normierten Umfang versichern zu lassen. Ebenso vage steht die (ausschließliche) Zulassung von privaten Einrichtungen als Versicherungsträger zur Debatte. Dennoch: Im Ländervergleich liegt das österreichische Gesundheitswesen trotz der Debatten und Reformbestrebungen verschiedener Marktteilnehmer an der EU-Spitze. Laut Gesamtranking nach Euro Health Consumer Index 2009 rangiert Österreich auf Platz vier der Top-15-Gesundheitssysteme in Europa.

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